Erinnerung aus unserer Kindheit – Bildwelten und Bücher
Unter Inspirationen 2024 habe ich bereits mein absolutes Lieblingsbilderbuch vorgestellt. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher war und ist „Etwas von den Wurzelkindern“ von Sibylle von Olfers.
Als ich über weitere Bilderbücher nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass wir zuhause nicht so viele davon hatten. Dafür hatte ich Schallplatten, die ich hören durfte, und ich kenne die alten Chasperli-Hörspiele heute noch fast auswendig.
Ein anderes Bilderbuch ist mir ausserdem in Erinnerung geblieben: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern.

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern zählt zu den bekanntesten Kunstmärchen von Hans Christian Andersen. Er schrieb es im Jahr 1845 während eines neuntägigen Aufenthalts auf Schloss Gravenstein an der Flensburger Förde.
«Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern ist eines der eindringlichsten Märchen von Hans Christian Andersen. Eine stille, winterliche Geschichte über Armut, Hoffnung und Mitgefühl – erzählt mit grosser Klarheit und einer Bildsprache, die bis heute berührt. In wenigen Szenen entfaltet sich ein ganzer Kosmos aus Kälte und Wärme, Einsamkeit und Sehnsucht. Das Märchen lädt dazu ein, innezuhalten, genau hinzuhören und Kindern wie Erwachsenen Raum für Fragen, Gespräche und Empathie zu geben.»
Das Bilderbuch besitze ich leider nicht mehr. Was mir in Erinnerung geblieben ist: Meine Mutter weinte am Schluss, und darum wünschte ich mir die Geschichte nicht sehr oft. Als Kind verstand ich jedoch nicht, warum der Schluss traurig war – das kleine Mädchen war ja nun warm und geborgen.
Solche Erinnerungen geben auch mir immer wieder Anlass, darüber nachzudenken, dass Kinder Geschichten und Erzähltes anders wahrnehmen als wir Erwachsenen. Vielleicht fehlt ihnen dazu noch die entsprechende Weltenerfahrung.
Ich bin eine Nachzüglerin, und meine Schwestern konnten schon lesen, als ich auf die Welt kam. Darum hatten wir wohl bereits mehr Lesebücher. Es gab in unserer Familie drei Vorlesebücher, die ich in sehr guter Erinnerung habe.

Alle drei Bücher sind in Schweizer Mundart geschrieben, und ich habe die kleinen Zeichnungen geliebt. Im Buch «Gschichte für chlyni Tierfründ» steht der Vermerk «mit neun Bildern». Also Kinderbücher hatten damals nicht sehr viele Bilder – und doch kann ich mich gut daran erinnern.
Das Buch «Guet Nacht-Gschichtli» von Sylvia Sempert hat meine Mutter neu für mich gekauft. Heute denke ich, vielleicht ist es ihr langsam langweilig geworden, immer die gleichen Geschichten vorzulesen. Damals habe ich mich riesig gefreut, dass extra für mich ein neues Buch gekauft wurde.
Die kleinen Bilder im Buch sind schwarz-weiss, aber das hat mich damals nicht gestört – im Gegenteil: Es hat mich sogar dazu angeregt, selber Bilder zu zeichnen.
Am Abend durfte ich jeweils ein Buch auswählen und darin eine Geschichte aussuchen. Diese hat mir meine Mutter dann vorgelesen.
Ich war bereits im Pyjama und lag im Bett. Meine Erinnerungen sind daher eng mit diesem Gefühl von Geborgenheit verbunden, von dem wir auch in Sachbüchern lesen. Dieses Gefühl von Vertrautheit. Diese besondere Zeit, die nur mir und meiner Mutter gehörte und Fantasie, Herz und Geist beflügelte.
Vielleicht hat diese Erinnerung auch damit zu tun, dass ich es bis heute liebe, nachts im Bett zu lesen.
Ich habe in den Büchern gestöbert und alte Erinnerungen aufgefrischt und möchte euch hier eine Seite zeigen:

Wunderbar, dass wir als Leseanimatorinnen die Möglichkeit haben, bei den Kindern solche schönen Erinnerungen und Geborgenheitsgefühle zu schaffen, sodass sie sich später in der Bibliothek und in der Welt der Bücher wohlfühlen.
Helena Feusi
