Erinnerung aus unserer Kindheit – Bildwelten und Bücher

Die Geschichte vom Vogel «Glück» faszinierte und animierte zu eigenen Bildern – Schätze, die mich auch heute noch berühren.
«Mir gefällt es nicht überall». Nach einem Motiv eines tschechischen Märchens erzählt von Libuše Palečková, illustriert von Josef Palaček (Nord-Süd 1972).

Beim Ausmisten von alten Erinnerungsschätzen stiess ich kürzlich auf meine Zeichnungen des Vogels «Glück». Die Bilder müssen, anhand des Datums auf der Rückseite, im Kindergartenalter entstanden sein. Sie wecken auch jetzt, nach 50 Jahren, erneut die Erinnerungen an meine damalige Faszination an das Bilderbuch. Vor meinem inneren Auge tauchen die farbenfrohen Illustrationen von Palaček auf. Beim anschliessenden Durchblättern und Anschauen des Bilderbuches, werden diese bestätigt.
Die Geschichte handelt von einem König, der, unglücklich über seine Streitereien in seinem Königreich, in den Wald reitet. Er entdeckt einen grauen Vogel, dessen Gefieder plötzlich in allen Farben des Regenbogens schillert und sich als Vogel «Glück» vorstellt. Der König möchte den Vogel in seine Burg mitnehmen. Dieser ruft jedoch: «Mir gefällt es nicht überall» und fliegt davon. In einer einfachen Holzhütte mitten im Wald trifft der König auf ein altes Ehepaar und erneut auf den Vogel «Glück». Der König wird dort freundlich aufgenommen und verbringt einen sorglosen, glücklichen Abend.

Der König wünscht sich den Vogel, das ersehnte Glück. Der alte Mann bringt den Vogel auf die Burg und es findet ein grosses Fest statt. Dreimal fliegt der Vogel unglücklich vom Schloss weg und zurück in den Wald. Da realisiert der König, dass er das Glück nicht kaufen oder erbetteln kann. Er schenkt dem Vogel die Freiheit. Dieser zeigt ihm sein schillerndes Gefieder und fliegt weg.


Die Illustrationen berühren mich auch heute noch und haben ihren Glanz und ihre Farbigkeit nicht eingebüsst. Hingegen sehe ich am Text die Spuren der Zeit. Aus heutiger Sicht wirkt er veraltet. Als Kind muss mich die Botschaft, dass der Vogel sich sein Zuhause selbst sucht und lieber in einer einfachen Hütte statt in einem Schloss lebt, sehr beschäftigt haben. In Zeichnungen entstand mein Vogel «Glück» in verschiedenen Variationen. Natürlich faszinierten mich damals auch der König und die tanzende Königin im Schloss!


Ich wünsche allen einen Vogel «Glück», der von Zeit zu Zeit durch sein Schillern eine grosse Fröhlichkeit in den Alltag bringt.
Ursina Hollenweger, Leseanimatorin SIKJM
