Erinnerung aus unserer Kindheit – Bildwelten und Bücher

8. July 2026


Die Geschichte vom grossen A

Ich habe das Glück, von klein auf mit Bilderbüchern aufwachsen zu dürfen. Eines meiner liebsten Bilderbücher ist bis heute «Die Geschichte vom grossen A» aus den 70er-Jahren von James Krüss, illustriert von Eleonore Schmid. Meine Gotte hatte mir das Buch damals geschenkt. Mein Vorname Alexandra beginnt mit einem A. Vielleicht hat mir das Buch deswegen immer so gut gefallen. Die Geschichte selbst berührt mich immer wieder. Die Geschichte vom ersten Buchstaben des Alphabetes beginnt kummervoll:

Es war einmal ein grosses A.
Das grosse A
stand einsam da
und fühlte sich verlassen.

Das grosse A macht sich auf den Weg durch die Welt. Es will ein passendes Plätzchen zum Bleiben finden. Es kommt in eine grosse Stadt und freut sich darauf, hier Freunde zu finden bei all den Wörtern, Schriftzügen und Leuchtreklamen, die es sieht. Doch alle sind komplett und schicken das grosse A weg.

Das grosse A findet seinen Platz an einem unerwarteten Ort. Nach einer Nacht im Park auf einem Bänkli wacht es auf und sieht eine Burgruine auf einem Hügel. Dort wandert es hin und denkt, dass der Turm der Ruine doch etwas flach sei.

Und als Dach, verehrte Leute,
steht das grosse A noch heute –
auch auf Ansichtskarten – da.
Auch bei Regen, Sturm und Wetter
braucht es keine andre Letter.
Es bleibt A. Und man sagt: Ah!

Das grosse A ist zu meinem Lieblingsbuchstaben geworden, sicher auch durch die Geschichte. Mir gefällt seine optische Standhaftigkeit und Stärke. Sein heller und heiterer Klang passen gut, das Alphabet anzuführen. So ist auch in meinem Zuhause ein grosses A eingezogen: Ein grosser Leuchtbuchstabe, welcher in Paris vor vielen Jahren gedient hatte und bei mir in der hauseigenen Bibliothek ein Plätzchen zum Bleiben gefunden hat.

Alexandra Lerch, Leseanimatorin SIKJM

Quellenangabe:

James Krüss: Die Geschichte vom grossen A
Illustriert von Eleonore Schmid
Berechtigte Lizenzausgabe für den Buchclub Ex Libris Zürich
1972 by K. Thienemanns Verlag, Stuttgart